Türanlagen gehören zu den sicherheitsrelevantesten Bauteilen einer Aufzugsanlage. Sie bewegen sich bei jeder Fahrt, sind mechanisch stark beansprucht und stehen direkt im Kontakt mit den Fahrgästen. Der folgende Fall zeigt, wie schnell aus einer scheinbar kleinen Abweichung eine ernsthafte Störung mit Personeneinschluss werden kann – und welche Rolle Wartung, Einstellung und Dokumentation dabei spielen.
Was genau ist passiert?
Das Foto zeigt den Bereich zwischen Fahrkorbtür und Schachttür. Links im Bild befindet sich das sogenannte Schwert der Fahrkorbtür – ein senkrechter Metallwinkel, der beim Öffnen und Schließen in die Türmechanik der Schachttür eingreift. Rechts ist die Türrolle der Schachttür zu sehen.
Durch eine falsch eingestellte Schachttür kam es dazu, dass das Schwert der Fahrkorbtür an dieser Rolle hängen blieb. Die Rolle wurde dabei verbogen, der Türmechanismus konnte nicht mehr korrekt arbeiten.
Gleichzeitig reagierte der Sicherheitskreis: Der Türkontakt erkannte keinen sicheren Türzustand mehr. Die Steuerung schaltete bestimmungsgemäß ab – der Aufzug blieb stehen, inklusive eines eingeschlossenen Fahrgastes. Die Sicherheitseinrichtungen haben also richtig funktioniert, der Schaden im Türbereich hätte jedoch idealerweise gar nicht erst entstehen dürfen.
Warum Türeinstellungen so sicherheitsrelevant sind
- mechanische Bewegung von Rollen, Führungen und Verriegelungen
- Belastungen durch Schmutz, Feuchtigkeit und Nutzung
- kontinuierlichen Verschleiß einzelner Teile
- schleifende oder ruckelnde Türbewegungen
- erhöhte Geräuschentwicklung
- wiederkehrende Türstörungen in der Steuerung
- mechanische Beschädigungen bis hin zum Stillstand der Aufzugsanlage
Warnsignale früh erkennen
Solche Schäden entstehen meist nicht von einem Moment auf den anderen. Häufig lassen sich im Vorfeld Hinweise erkennen:
- ungewohnte Geräusche beim Öffnen und Schließen
- Türen, die nicht mehr gleichmäßig laufen
- sichtbare Schleifspuren oder bereits leicht verbogene Bauteile
- vermehrte Türstörungen im Störungsprotokoll der Aufzugssteuerung
Werden diese Hinweise bei der Aufzugswartung ernst genommen, lassen sich viele Probleme durch einfache Nachjustierungen oder den Austausch einzelner Komponenten vermeiden. Genau hier zeigt sich die Qualität der Wartung – und ob dokumentierte Türstörungen wirklich systematisch bearbeitet werden.
Aufgabe von Wartung und Wartungscheck
Eine fachgerechte Wartung umfasst immer auch die Überprüfung und Einstellung der Türanlagen:
- Kontrolle der Abstände zwischen Schwert, Rollen und Verriegelung
- Sichtprüfung auf Verschleiß, Verbiegungen und Schleifspuren
- Funktionsprüfung der Türkontakte im Sicherheitskreis
- Dokumentation von Auffälligkeiten und durchgeführten Maßnahmen
Ergänzend dazu bietet ein Wartungscheck die Möglichkeit, die Qualität dieser Arbeiten zu beurteilen. Dabei werden u. a.:
- Wartungsprotokolle und Störungsmeldungen ausgewertet
- der aktuelle Anlagenzustand mit der Dokumentation verglichen
- wiederkehrende Türstörungen identifiziert
- Einstellarbeiten und Austauschmaßnahmen nachvollziehbar gemacht
So lässt sich erkennen, ob Türprobleme nachhaltig gelöst werden – oder nur der akute Fehler beseitigt wird, bis die nächste Störung auftritt.
Fazit: Kleine Abweichung, große Wirkung
Der verbogene Türrollenfall macht deutlich: Nicht der Antrieb oder die Steuerung, sondern eine falsch eingestellte Tür hat zum Personeneinschluss geführt. Die Sicherheitseinrichtungen haben richtig reagiert – doch eine konsequente Kontrolle und Dokumentation der Türtechnik hätte den Schaden vermutlich verhindert.
Sorgfältige Türeinrichtung, regelmäßige Wartung, strukturierte Wartungschecks und digitale Aufzugsverwaltung arbeiten hier Hand in Hand. So bleibt der Aufzug nicht erst stehen, wenn die Rolle verbogen ist – sondern wird rechtzeitig nachjustiert, bevor Personen betroffen sind.
