Ein Aufzug, der fährt, wirkt auf den ersten Blick in Ordnung. Wartungsvertrag vorhanden, ZÜS-Prüfungen laufen, Protokolle liegen im Ordner – doch das heißt noch nicht, dass die Anlage wirklich gut betreut wird.
Genau hier setzt der Wartungscheck an: Er prüft nicht nur, dass gewartet wird, sondern wie gewartet wird. Für Betreiber und Verwalter ist das der Schlüssel, um Risiken frühzeitig zu erkennen und die Qualität der Aufzugswartung besser einschätzen zu können.
Was ist ein Wartungscheck – und warum reicht normale Wartung nicht aus?
Aufzüge gehören zu den wichtigsten technischen Anlagen eines Gebäudes. Fällt ein Aufzug aus oder arbeitet unsauber, ist das nicht nur ärgerlich, sondern kann im schlimmsten Fall auch sicherheitsrelevant sein. Viele Betreiber verlassen sich auf Wartungsverträge und regelmäßige Prüfungen – und trotzdem entstehen immer wieder Situationen, die früher hätten erkannt werden können.
Genau hier setzt der Wartungscheck an: Er prüft nicht nur, ob gewartet wird, sondern wie gewartet wird. Es geht also um die Qualität der Wartung, die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen und die Transparenz gegenüber Betreibern und Eigentümern.
Wartungscheck statt Blindflug: Warum Vollwartung kein Freifahrtschein ist
- Auffälligkeiten werden zwar vor Ort bemerkt, aber nicht klar kommuniziert
- Änderungen an der Anlage werden nicht sauber dokumentiert
- ZÜS-Berichte werden abgeheftet, aber nicht aktiv ausgewertet
- Betreiber verlassen sich auf Aussagen von Dienstleistern, ohne die Qualität zu hinterfragen
Welche Fragen ein Wartungscheck beantworten sollte
Ein guter Wartungscheck geht über die Kontrolle von Terminen und Rechnungen hinaus. Im Kern geht es um vier zentrale Fragen:
- Wird das gemacht, was im Vertrag steht?
Passen Umfang, Häufigkeit und Inhalte der Wartung zum vereinbarten Leistungsverzeichnis? - Sind Auffälligkeiten klar benannt und dokumentiert?
Werden Mängel, Empfehlungen und Risiken in Protokollen verständlich beschrieben? - Sind getroffene Maßnahmen nachvollziehbar?
Warum wurde eine Komponente getauscht, eine Einstellung geändert oder eine Empfehlung nicht umgesetzt? - Arbeitet der Dienstleister transparent und konsistent?
Lassen sich Aussagen, Protokolle und der Zustand der Anlage vor Ort logisch verbinden?
Wer diese Fragen nicht klar beantworten kann, hat keinen echten Überblick über die Qualität der eigenen Aufzugswartung – auch dann nicht, wenn alle Fristen eingehalten wurden.
Was ein professioneller Wartungscheck beinhalten kann
1. Dokumentenprüfung
- Stichprobenhafte Kontrolle von Wartungsprotokollen der letzten Monate
- Durchsicht von ZÜS-Berichten und festgestellten Mängeln
- Abgleich von Empfehlungen mit tatsächlich umgesetzten Maßnahmen
- Prüfung, ob alle Pflichten aus dem Wartungsvertrag nachvollziehbar erfüllt wurden
- Sichtkontrolle der Anlage (z. B. Fahrverhalten, Türen, Kabine, Maschinenraum)
- Abgleich: Entspricht der Zustand dem, was in den Protokollen steht?
- Auffälligkeiten wie Geräusche, Vibrationen oder unruhige Fahrten dokumentieren
- Wurden Betreiber oder Verwalter über wesentliche Änderungen informiert?
- Sind sicherheitsrelevante Maßnahmen begründet und nachvollziehbar erklärt worden?
- Gibt es klare Handlungsempfehlungen mit Prioritäten?
- Sind Protokolle vollständig und verständlich?
- Gibt es wiederkehrende Hinweise, die nicht bearbeitet wurden?
- Ist erkennbar, dass die Anlage langfristig erhalten statt nur „am Laufen gehalten“ wird?
Wartungscheck und ZÜS: Wer macht was?
Ein häufiger Irrtum: Viele Betreiber erwarten, dass die zugelassene Überwachungsstelle (ZÜS) automatisch alle Wartungsdefizite mit aufdeckt. Die ZÜS sorgt jedoch primär dafür, dass die Anlage den gesetzlichen und sicherheitstechnischen Anforderungen entspricht und wiederkehrend geprüft wird.
Die ZÜS…
- prüft die Anlage zu festgelegten Intervallen,
- dokumentiert sicherheitsrelevante Mängel und Auflagen,
- bewertet, ob der Aufzug weiter betrieben werden darf.
Die Qualität der laufenden Wartung liegt dagegen in der Verantwortung von Betreiber und Wartungsunternehmen. Ein Wartungscheck schließt also die Lücke zwischen gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen und der täglichen Praxis der Wartung. Er ist die Brücke zwischen „formell in Ordnung“ und „tatsächlich gut betreut“.
Fazit: Wartungscheck als Sicherheits- und Vertrauensfaktor
- Risiken frühzeitig zu erkennen,
- die Arbeit von Dienstleistern objektiv einschätzen zu können,
- ZÜS-Berichte nicht nur abzuheften, sondern aktiv zu nutzen,
- und langfristig Sicherheit, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit der Anlagen zu sichern.
