Wenn sich das Gebäude setzt – und keiner hinschaut: Was dieser Aufzugsschacht über Wartung & Verantwortung verrät

Detailansicht eines Aufzugschachtes.

Aufzüge gehören zu den sensibelsten technischen Anlagen eines Gebäudes – gleichzeitig laufen sie für viele Betreiber eher „im Hintergrund“. Mit einem Vollwartungsvertrag und regelmäßigen Prüfungen scheint die Verantwortung klar verteilt: Die Fachfirmen kümmern sich, die Eigentümer verlassen sich auf deren Urteil.

Doch was passiert, wenn im laufenden Betrieb Entscheidungen getroffen werden, die weder transparent erklärt noch sauber dokumentiert werden? Ein aktuelles Beispiel macht deutlich, wie schnell aus Routinen blinde Flecken werden können – und warum Transparenz, Dokumentation und Kontrolle auch bei langjährigen Dienstleistern unverzichtbar sind.

Was ist passiert?

Um zu verstehen, wie es zu dieser Situation kommen konnte, lohnt sich ein Blick in die Historie der Anlage. Viele Aufzüge, die heute noch zuverlässig ihren Dienst verrichten, stammen aus den 70er- oder 80er-Jahren. Technisch ist das grundsätzlich kein Problem – solange Planung, Wartung und Prüfung sauber zusammenspielen. In diesem Fall kamen jedoch mehrere Faktoren ungünstig zusammen:

  • Der Aufzug wurde 1978 installiert.
  • Die Führungsschienen wurden damals bis direkt an die Schachtdecke montiert.
  • Über die Jahre hat sich das Gebäude gesetzt – völlig normal bei älteren Bauwerken.
  • Die Schienen hatten dadurch keinen „Spielraum“ mehr, um diese Bewegung aufzunehmen.

Die Folge: Spannungen, Verformungen und ein potenziell unsauberer Lauf des Fahrkorbs.
Anstatt die Ursache zu analysieren und eine nachhaltige Lösung zu finden, wurde die Geschwindigkeit der Anlage einfach reduziert. So fallen Vibrationen oder unruhige Fahrten weniger auf – das Problem im Hintergrund bleibt aber bestehen. Die Maßnahme kaschiert also nur die Symptome, statt die Ursache zu beheben.

Detailansicht eines Aufzugschachtes.

Hätte das auffallen müssen?

An dieser Stelle stellt sich die entscheidende Frage: War das ein versteckter Mangel, den niemand sehen konnte – oder etwas, das bei einer sorgfältigen Wartung und Prüfung erkennbar gewesen wäre? Die klare Antwort: Ja – unbedingt.

Solche Veränderungen hinterlassen Spuren, sowohl optisch als auch im Fahrverhalten. Wer regelmäßig mit der Anlage arbeitet oder sie prüft, sollte entsprechende Hinweise bemerken:

  • verändertes Fahrverhalten
  • sichtbare Spuren an den Schienenbefestigungen
  • Geräusche, die zuvor nicht da waren
  • Messwerte, die bei wiederkehrenden Prüfungen auffallen müssten

Dass die Geschwindigkeit reduziert wurde, ohne den Eigentümer zu informieren, ist bereits kritisch. Noch schwerer wiegt, dass sich in den Prüfberichten der ZÜS kein Hinweis darauf findet. Das wirft zwangsläufig Fragen auf: 

Wurden Auffälligkeiten nicht erkannt? Wurden sie nicht ernst genommen? Oder wurden sie schlicht nicht sauber dokumentiert?

Sehr wahrscheinlich ist es aufgefallen – nur eben nicht transparent festgehalten und kommuniziert. Genau hier zeigt sich, wie wichtig ein funktionierendes Zusammenspiel von Wartungsfirma, Prüfstelle und Betreiber ist.

Warum „Vollwartung“ nicht automatisch Sicherheit bedeutet

Viele Betreiber wiegen sich mit einem Vollwartungsvertrag in Sicherheit: „Die kümmern sich schon um alles.“ Auf den ersten Blick klingt das komfortabel – gerade bei älteren Anlagen oder großen Portfolios. Dieses Beispiel zeigt jedoch deutlich: Vertrauen ist wichtig – ersetzt aber keine Kontrolle.
Ein Vollwartungsvertrag kann nur so gut sein wie die gelebte Praxis dahinter:

  • Ein Vertrag regelt Leistungen – aber nicht automatisch die Qualität der Ausführung.
  • Transparenz sorgt dafür, dass Entscheidungen nachvollziehbar sind.
  • Dokumentation ist die Grundlage, um im Zweifel nachweisen zu können, was wann entschieden wurde.

Wenn Änderungen an der Anlage vorgenommen werden – insbesondere sicherheitsrelevante wie eine Geschwindigkeitsreduzierung – müssen Eigentümer und Betreiber informiert werden. Nur so können sie abwägen, ob sie mit der Maßnahme einverstanden sind oder weitere Prüfungen wünschen.

Und genau hier versagt in der Praxis häufig der Alltag: Entscheidungen werden „mal schnell“ im Service vor Ort getroffen, aber nicht konsequent im System und gegenüber dem Betreiber dokumentiert. Das gefährdet nicht nur die Transparenz, sondern auch das Vertrauen in alle Beteiligten.

Die Konsequenzen in diesem Fall

In diesem Objekt haben die Eigentümer Konsequenzen gezogen. Spätestens mit der Erkenntnis, dass über Jahre eine Geschwindigkeitsreduzierung ohne Information erfolgt ist, war das Vertrauen nachhaltig erschüttert.
Die Eigentümer haben reagiert:

  • Das Wartungsunternehmen wurde gekündigt.
  • Die ZÜS wurde dauerhaft gewechselt.
  • Teile der Schienen werden erneuert und neu ausgerichtet, um den Aufzug wieder in einen sicheren und normgerechten Zustand zu bringen.

Das kostet Zeit, Geld und Nerven – wäre aber vermeidbar gewesen, wenn frühzeitig klar kommuniziert und gehandelt worden wäre. Der Fall zeigt: Mangelhafte Transparenz wird am Ende immer teurer als eine offene, saubere Lösung zum richtigen Zeitpunkt.

Was lernen Betreiber & Verwalter daraus?

Aus solchen Fällen lassen sich wichtige Lehren ableiten, die weit über dieses eine Objekt hinausgehen. Wer Aufzüge betreibt oder verwaltet, sollte einige Grundprinzipien verinnerlichen:

  • Vollwartung ist kein Freifahrtschein
    Auch mit Vollwartungsvertrag bleiben Betreiber in der Verantwortung. Entscheidungen müssen nachvollziehbar und dokumentiert sein. Es lohnt sich, regelmäßig nachzufragen, Einsicht in Protokolle zu nehmen und sich kritische Punkte erklären zu lassen.

     

  • ZÜS-Berichte sind kein Formalakt
    Prüfergebnisse sollten nicht nur abgeheftet, sondern aktiv gelesen, verstanden und mit dem Wartungsunternehmen besprochen werden. Auffälligkeiten, Empfehlungen oder wiederkehrende Hinweise sind wichtige Warnsignale, die ernst genommen werden sollten.

     

  • Veränderungen an der Anlage gehören ins Protokoll
Geschwindigkeitsänderungen, Austausch von Komponenten oder Auffälligkeiten im Fahrverhalten sollten zentral erfasst werden – nicht nur „im Kopf des Monteurs“. Nur so lässt sich auch nach Jahren noch nachvollziehen, wann welche Entscheidung getroffen wurde.

     

  • Digitale Aufzugsverwaltung schafft Übersicht
    Wer mehrere Anlagen betreut, braucht eine Plattform, auf der alle Informationen zusammenlaufen: Wartung, Störungen, ZÜS-Termine, Maßnahmen, Fotos aus dem Schacht. So entsteht ein klares Bild über den tatsächlichen Zustand der Anlage – unabhängig vom jeweiligen Dienstleister.

Wie LiftPLAN360 unterstützt

Genau hier setzt LiftPLAN360 an. Moderne Aufzugsverwaltung bedeutet heute mehr als Ordner, Excel-Listen und E-Mail-Verläufe. Entscheidend ist, dass alle relevanten Informationen an einem Ort zusammenkommen und jederzeit nachvollziehbar sind.
Mit LiftPLAN360 erhalten Betreiber und Verwalter:

  • Digitale Übersicht über alle Anlagen und Standorte – auf einen Blick erkennbar, wo Handlungsbedarf besteht.
  • Zentrale Ablage von Wartungs- und Prüfberichten – statt verstreuter PDFs und Papierordner.
  • Dokumentation von Änderungen und Maßnahmen – inklusive Fotos aus dem Schacht, Kommentaren und Historie.
  • Transparenz gegenüber Eigentümern, Verwaltung und Dienstleistern – alle sprechen über dieselbe Datenbasis.

So behalten Betreiber die Kontrolle über ihre Aufzugsanlagen – unabhängig vom Dienstleister. Und wenn ein Anbieterwechsel notwendig wird, bleiben alle relevanten Daten erhalten und können nahtlos weitergenutzt werden.

Wartungscheck: Warum die Qualität der Wartung regelmäßig geprüft werden sollte

Wartung ist nicht nur eine Frage von Intervallen und Checklisten, sondern auch eine Frage der Qualität. Selbst bei langjährigen Dienstleistern lohnt sich ein zweiter Blick: Wird wirklich das getan, was im Vertrag steht? Werden Auffälligkeiten klar benannt? Werden Entscheidungen nachvollziehbar dokumentiert?

Bei einer regelmäßigen Überprüfung der Wartungsqualität wäre der Zustand dieser Anlage aufgefallen – lange bevor die Situation eskaliert und ein Anbieterwechsel nötig geworden wäre. Ein systematischer Wartungscheck hilft Betreibern, genau das zu vermeiden.

Unser Fazit

Gebäudesetzungen, alte Anlagen, nachträgliche Anpassungen – all das gehört zum Alltag im Aufzugsbereich. Kritisch wird es erst, wenn Probleme verschwiegen oder „unsichtbar optimiert“ werden.

Die Bilder aus diesem Schacht sind ein deutliches Signal: Aufzugsverwaltung braucht Transparenz, Dokumentation und klare Verantwortung – nicht nur Vertrauen.

Wer seine Anlagen und Dienstleister aktiv begleitet, digitale Werkzeuge nutzt und Entscheidungen nachvollziehbar macht, schützt nicht nur Technik und Budget – sondern vor allem die Menschen, die jeden Tag auf einen sicheren Aufzug vertrauen.

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